Blog12. August 2025 · Vedische Astrologie

Tropisch oder siderisch? Zwei Methoden, den Tierkreis zu berechnen

Nahaufnahme eines blauen Himmelsglobus mit eingezeichneten Sternbildern und Tierkreisfiguren.

Du bist im Stier geboren – und im vedischen Horoskop steht deine Sonne plötzlich im Widder. Das irritiert viele. Hat sich jemand verrechnet? Nein. Es gibt zwei Methoden, den Tierkreis festzulegen. Dieser Beitrag erklärt den technischen Unterschied.

Was die vedische Astrologie darüber hinaus in der Deutung anders macht, findest du in Vedische Astrologie – was sie anders macht.

Der tropische Tierkreis

Die westliche Astrologie arbeitet fast immer mit dem tropischen Tierkreis. Sein Ausgangspunkt ist der Frühlingspunkt: der Moment um den 20. oder 21. März, in dem die Sonne den Himmelsäquator nach Norden überquert. Dieser Punkt wird als 0° Widder festgelegt. Von dort aus wird der Kreis in zwölf Zeichen zu je 30 Grad geteilt.

Der tropische Tierkreis ist also an die Jahreszeiten gebunden, nicht an die Sterne.

Der siderische Tierkreis

Die vedische Astrologie nutzt den siderischen Tierkreis. Er ist an den Fixsternhimmel gebunden. Auch er besteht aus zwölf gleich großen Zeichen zu je 30 Grad. Diese Zeichen entsprechen nicht genau den unterschiedlich großen Sternbildern, sind aber an einem Bezugspunkt unter den Sternen verankert.

Warum sich beide auseinanderbewegen: Präzession

Die Erdachse beschreibt eine sehr langsame Kreiselbewegung. Dadurch wandert der Frühlingspunkt vor dem Sternenhimmel zurück – etwa ein Grad in 72 Jahren. Vor rund 1.700 bis 1.800 Jahren lagen beide Tierkreise ungefähr übereinander. Seitdem haben sie sich um etwa 24 Grad voneinander entfernt.

Diesen Abstand nennt man Ayanamsa. Es gibt verschiedene Berechnungsweisen. In der vedischen Astrologie wird meist die nach Lahiri verwendet; sie liegt heute bei rund 24 Grad.

Drei Rechenbeispiele

Um von tropisch auf siderisch zu kommen, ziehst du ungefähr 24 Grad ab:

  • Sonne tropisch 15° Stier → siderisch etwa 21° Widder: anderes Zeichen.
  • Sonne tropisch 10° Zwillinge → siderisch etwa 16° Stier: anderes Zeichen.
  • Aszendent tropisch 28° Jungfrau → siderisch etwa 4° Jungfrau: gleiches Zeichen, weil die Position weiter als 24 Grad im Zeichen liegt.

Faustregel: Steht ein Planet tropisch in den ersten rund 24 Grad eines Zeichens, rutscht er siderisch meist ins vorherige Zeichen.

Was sich dadurch ändert

Nicht nur die Sonne verschiebt sich, sondern alle Planeten und der Aszendent. Damit ändern sich auch Hausherrschaften und viele Deutungsgrundlagen. Die siderische Berechnung ist außerdem die Grundlage für die Mondhäuser (Nakshatras) und damit für die Dashas.

Welche Methode ist „richtig“?

Beide Systeme sind in sich stimmig, sie messen nur von unterschiedlichen Bezugspunkten aus. Der tropische Tierkreis folgt den Jahreszeiten, der siderische den Sternen. Ich arbeite mit dem siderischen, weil er die Grundlage der vedischen Methoden ist, mit denen ich deute – vor allem der Zeitzyklen.

Wenn du wissen möchtest, wie dein eigenes Horoskop siderisch aussieht, kannst du im kostenfreien Kennenlernen mit mir darüber sprechen.

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